32. München Marathon

08.10.2017 :: München :: 42,2k @ 04:31:41


Nach langem Training mit über 700 Laufkilometern war es am Sonntag dann soweit, es war Marathonzeit! Wir, meine Supporterinnen und ich, reisten am frühen Sonntag morgen nach München. Direkt am Olympiastadion hatten wir auf dem Großparkplatz unser Auto abstellen können. Auf 8 Uhr wurden in der Olympiahalle die Startnummern ausgegeben.

Sicherheit

Ok, Sicherheit ist aktuell überall ein Thema, aber für, in einer sonst leeren Halle, eine zwei Mann Einlasskontrolle vor der Halle bei Regen und Wind einzurichten, halte ich persönlich für übertrieben. Entsprechend lang mussten die Teilnehmer frierend auf Einlass warten. Ich bleib gleich noch beim Thema und knüpfe da meine weiteren Beobachtungen an. Auch an den Eingängen zum Olympiastation waren Sicherheitsleute postiert. Taschenkontrolle und keine großen Rucksäcke waren obligatorisch, zumindest am Beginn. Später erfuhr ich, dass jeder rein- und rausspazieren konnte wie er wollte. Etwas schockiert war ich, als ich selbst im Ziel angekommen bin (ja ich hab den Marathon geschafft) und mehrere Personen in ziviler Kleidung (Jeanshose und so) mit Rucksäcken im Verpflegungsbereich herumlaufen sah! Sicherheit?

Und gleich noch eines was bitter aufgestoßen ist (und das nicht nur mir). Man stellt zwar hunderte von Toiletten auf aber lässt sie alle bis weit nach 8 Uhr verschlossen. Verzweifelt habe ich mehrere Personen gesehen wie sie diese zu nutzen wollten, äh mussten…

Herbstläufe und das Wetter

Da trainiert man zwölf, dreizehn Wochen für diesen Tag, bei meist heißen Temperaturen und am Wettkampftag dann so ein Wetter. Regen, Wind, kalt; einfach der Herbst von seiner schlechtesten Seite. Zumindest hat der Regen eine viertel Stunde vor dem Start aufgehört. In Unterhaltungen mit mehreren Leidensgenossen war gerade auch das Wetter ein Umstand, dass die Zeiten bei vielen schlechter ausgefallen sind als gehofft. Das Schicksal traf auch mich. Obwohl ich doch warm aber auch nicht übertrieben warm angezogen war, fröstelte es mich teilweise in den über vier Stunden, in denen ich unterwegs war. Ich kommt da aber gleich noch drauf, was das für meinen Lauf bedeutet hat.

Start im Olympiapark

Die Location im Olympiapark war echt cool, besonders der Einlauf im Olympiastaion, weswegen ich mir auch diesen Lauf als Marathon ausgesucht hatte. Aber auch dazu komme ich noch. Etwas verwirrend für viele war dann aber die Aufstellung. Block A – B – C waren mit Fahnen ausgestattet und mit Bändern abgegrenzt, wie üblich. Und Block D und E? Fehlanzeige! Ich war im Block D eingeteilt. Das ganze führte sogar bei den Zugläufern für Verwirrung. Ich selbst stellte mich weit hinter den Block C an und reihte mich in die Nähe der 4:15 Zugläufern ein. Allerdings geriet das ganze etwas durcheinander. Mehrere C-Block-Läufer waren hinter der Abgrenzung, also auf meiner Seite. Die Damen am Band fingen dann an diese nach vorne zu lassen und meine Zugläufer gingen da mit und ich dann auch. Der Nachteil war, dass ich jetzt im riesigen Trott der 4h-Läufer war und was mit später auch noch zum Nachteil wird.

Auf der Strecke

Bedingt durch den falsche Startblock in dem sich die 4:15 Zugläufer und ich befanden, war der Start dann um 10:10 Uhr, fünf Minuten früher. Ich war hier zwar ziemlich weit hinten, aber der Tross der hier loszog war echt groß. Viele Läuferinnen und Läufer sind eben 4h-Zielläufer (oder versuchen es zumindest). Ich verlor leider auch schnell meine Zugläufer aus dem Auge und musste die ersten beiden Kilometer mitschwimmen.

Geplant war das ganze bis zum Halbmarathonpunkt in einem Tempo von 5:35 bis 5:40 (nach GPS-Uhr) zu laufen. Für eine Zielzeit von 4:15 war ein Schnitt von etwas über 6:00 notwendig. Bedingt durch die bekannten Messfehler der GPS-Uhren und dem Umstand, dass ich an den Versorgungsstellen gehen muss war das Tempo so also OK. Auch aus dem Trainingsstand und dem HM in der Fränkischen konnte ich mir das zutrauen.

Tatsächlich erreichte ich nach etwa 02:01:16 den HM-Punkt. Allerdings gab es im Vorfeld ein Ereignis, das mich auf der folgenden Strecke strafen wird.

Nach dem Durchlauf des Olympiaparks und der Wende auf der Leopoldstraße vor dem Siegestor ging es nach Norden Richtung Englischer Garten. Bei Kilometer 8 wurde ich dann erstmals von meinen beiden Motivatorinnen am Straßenrand angefeuert. Ich freute mich riesig! Ich wurde über ihren Standort schon im Voraus informiert, dank einer Kurznachricht die per Smart Notification auf meiner Garmin auftauchte: “KM 8 links”. Zeitgleich wussten beide per Live Track von Garmin wo ich war und wie schnell ich unterwegs bin.

Am nördlichen Ende der Laufstrecke im Englischen Garten, nach Kilometer 10, erreichte der Tross der Läufer auf den relativ engen Wegen im Park eine Wasserstelle. Leider hat man hier die Tische links und rechts so aufbauen müssen, dass sich der Durchgang nochmals verengte. Und genau an dieser Stelle passierte mein Schicksal zu diesem Lauf.

Schicksal

Da ich zu diesem Zeitpunkt keine Versorgung brauchte versuchte ich mittig durchzulaufen. Viele der Läufer scherten aber nach rechts und links aus um an die Becher zu kommen. Es wurde für ein paar Läufer, wie auch mich, schwierig ohne weiteres voranzukommen. Auch ein Gehen war unmöglich, da von hinten weitere Läufer aufschlossen. Obwohl ich versuchte jedem Querläufer auszuweichen passierte das fast unvermeidliche, ich stürzte, fast! Ein Läufer, der rechts an der Wasserstelle war, versuchte wieder nach links zu kommen und stellte mir quasi dabei einen Fuß, als ich mit meinem rechten Bein wieder auf dem Boden aufsetzte. Ich verlor sofort das Gleichgewicht und kippte nach vorne. Nur dem Umstand, dass meine rechte Hand diesen Läufer zu fassen bekam und der mich auffing und wieder aufrichtete, konnte den Sturz verhindern – dass wäre das Aus gewesen. Der besagte Läufer entschuldigte sich auch gleich und da ich unvermindert weiterlaufen konnte, dachte ich, dass außer einem Schreck nichts gewesen war.

Tja denken heißt nicht wissen! Schon ein Kilometer weiter begann in der rechten Leiste ein Ziehen und Zwicken, was ich bei keinem Lauf je hatte. Der unsanften Bewegungsablauf bei der Getränkestelle hatte also Folgen. Da es mich aber nicht weiter beschränkte und ich weiter locker laufen konnte blieb ich weiter auf Kurs.

Die Nachricht “KM 14 rechts” erreichte mich und so hielt ich wieder Ausschau und sah sie mit dem Schild “Nur die Harten kommen in den Garten”! Und wo war ich, klar im “Englischen Garten”. Ich hätte mich kugeln können.

So ging es weiter bis wir bei Kilometer 15, am Chinesischen Turm, den Englischen Garten verließen. Unmittelbar nach der Überquerung der Isar ging es dann langgezogen leicht Bergauf. Jetzt spürte ich erstmals einen Schmerz im rechten Oberschenkel und an der Leiste. An der Versorgungsstelle bei Kilometer 18 musste ich mit Getränk in der Hand kurz anhalten und besagte Stelle leicht dehnen, was sofort hilfreich war. Ich setzte also meinen Lauf fort.

Der mit dem Hammer

Eine erneute Versorgungspause war im Anschluss am Kilometer 24 notwendig. Bis dahin konnte ich zwar weiter laufen aber die Pace viel doch auf einen Schnitt von 6:00 zurück und die rechte Seite begann erneut zu ziehen. Nochmals ganz leicht dehnen verschaffte wieder Hilfe. Allerdings war bei Kilometer 28 der Schmerz zurück und jetzt musste ich nach der Versorgungsstelle am Rosenheimer Platz länger gehen und das nicht das letzte mal. Wieder erreichte mich die Nachricht “KM 27 rechts” und “KM 31 links”. Meine Supporterinnen spornten mich an und ich hatte immer noch große Lust den Lauf zu Ende zu bringen, das Olympiastadion wartete ja.

Leider wurde das mit der Leiste nicht besser. Gehpausen ließen zwar den Schmerz vergehen aber dadurch begannen die Oberschenkel auszukühlen, das Wetter tat hier auch sein übriges, und motzten auch noch rum. Der Hammer war also da! Um mich nicht weiter zu demotivieren und dennoch zu versuchen das Ding durchzubeißen vermied ich jeden Blick auf die Uhr. Einfach Laufen wenn es ging, Gehen wenn es notwendig wurde. So erreichte ich mit einer Pace von 7:22 zwischen Kilometer 30 und 40 den Olympiapark wieder.

Das Ziel entschädigt alles, einfach alles!

Jetzt konnte ich das Ziel schon riechen! Zusprüche von alles Seiten, “das Ziel ist gleich da” motivierten noch mehr. Und auf einmal ging das Laufen wieder. Die Uhr piepste auf 5:20 für den letzten Kilometer rum und dann war es auch schon da, das Stadion. Durch den Tunnel an der Seite rein! Musik, Licht, Nebel – Gigantisch, das Herz begann zu pochen. Dann die Bahn, die vielen Menschen, die Tribüne, der Trubel – 42 Kilometer waren vergessen! Der Zielbogen vor Augen, noch letzte Anweisungen wir sollen uns alle links halten, die schnellen HM-Läufer waren auch schon da! Und dann die Matte, das Ziel, das Ende, der Sieg! Der Schmerz war vergessen, die Sorgen vergangen, die Augen feucht! Ich hatte meinen zweiten Marathon gefinisht! Erst jetzt ein Blick auf die Uhr: 4 Stunden 31 Minuten und 45 Sekunden! Ich war, ich bin Stolz!

Rückblick – Ausblick

Auf der Tribüne meine beiden Supporterinnen die mir zujubelten. Jetzt die Medaille umgehängt, echt schön das Teil! Verpflegung sehr gut und keine großen Schlangen. Wirklich, was München hier aufgeboten hat, hat alles gepasst (bis auf den Start). Ich kann sagen, empfehlenswert!

Tja mit der Zeit bin ich aber nicht zufrieden. 4:15 wären drin gewesen, vielleicht auch ein, zwei Minuten später wegen den Wetters. Das mit den Unfall im Englischen Garten war blöd und hat mir im Endeffekt die Zeit gekostet und den Spaß gemindert.

Leider konnte ich dann auch nicht mehr, der Schmerz war zurück. Selbst die Treppe aus dem Stadion raus wurde zur Qual, die Treppe runter zum Auto noch mehr. Der geplante Aufenthalt in München zum Abendessen geplatzt. Zwei Tage danach mit Dehnprogramm, Salben und Rolle bleibt “nur” noch der obligatorische Muskelkater in den Oberschenkeln, aber auch der lässt schon nach. Kaputt ist nichts, war wohl mehr eine leichte Zerrung ohne weitere Folgen.

München würde ich wieder machen, aber jetzt habe ich erst einmal eine andere Rechnung offen. Frankfurt 2014 war mein erster und einziger Marathon und der unter 4 Stunden. 2016 in Mainz musste ich bei der Hälfte abbrechen, weil eine Erkältung mich zu sehr geschwächt hatte (und ich nichts riskieren wollte). Und Mainz 2018 sollt daher mein nächster sein, wenn mein Körper will.